die Befindlichkeit des Landes

Sonntag, 28. Mai 2006

Mein Vorschlag zur Güte

Während der WM alle Messer verbieten, Hauptbahnhoferöffnungen untersagen und 16jährigen wegsperren.

Dienstag, 23. Mai 2006

Kurzer Blick ins Newsfeed

Ein Bär verhält sich wie ein Bär und soll deswegen "aus der freien Wildbahn entfernt werden". Schüler werden morgens von der Staatsanwaltschaft aus dem Bett geworfen, weil sie sich Musik aus dem Internet runtergeladen haben. Manchmal ist es schwierig in Deutschland zu leben. Wenigstens ist Jessica Schwarz wieder zu haben.

Donnerstag, 18. Mai 2006

Kanarienvogel

Poltiker können sich durchaus wie die ehrenwerte Famiglia verhalten wenn einer anfängt zu singen. Glücklicherweise kommt Uwe-Karsten Heye noch mal ohne Betonfüße davon. Aber er hat ein eisernes Politikergesetz gebrochen. Er hat nämlich die Wahrheit gesagt. Dass es in der Tat etliche Gegenden im Osten der Republik gibt, in die man als optisch nicht der völkischen Norm entsprechend oder gar als Nichtdeutscher besser keinen Fuß setzt. No-Go-Areas oder "intelligenzbefreite Zonen" (oder so ähnlich), wie es der braune Mob nennt. Dass es in vielen Landstrichen einen etablierten rechten Mainstream gibt. Dass SA-mäßiges Verhalten junger Asozialer auf stillschweigende bis offene Billigung von Teilen der Bevölkerung trifft. Kann man in jedem Germany-Guide für Individualtouristen nachlesen. Kaum sprach Heye seine Empfehlung aus, raste auch schon die 72. Empörungswelle dieses Jahres durch die Mediokratie. Wie kann man nur? Verunglimpfung! Pauschalisierung! Undsoweiter. Und jede Wette, dass sich wie so oft keiner die Mühe gemacht hat, Heye selbst zu befragen. Politische Korrektheit verhindert erneut die überfällige ernsthafte Auseinandersetzung mit Fakten und Realitäten. Heye konnte dem medial inszenierten Druck nicht einmal bis zur nächsten Christiansen-Sendung standhalten und relativierte seine Aussagen postwendend. Die veröffentlichte Meinung freut sich hingegen, wieder ein paar Tage frischen Stoff zum zerreden zu haben. Danach wandert das Thema in den Kübel in der bereits unter anderem die Sprechdurchfälle zur Rütli-Schule, Pisa-Test, Migrantenintegration endgelagert werden.

Freitag, 7. April 2006

Wer wird Deutscher?

Die FTD hat mal ein paar Fragen aus diesem drecksdämlichen Einbürgerungstest zusammengestellt. Nun gut, ich hab 40/42 erreicht, aber ich vermute mal schwer, dass gut 70 Prozent der Deutschen weder wissen, wer zuerst die Kernspaltung durchgeführt hat, noch jemals von der bedeutenden Kunstausstellung in Kassel gehört haben. Vollkommener Unfug, dieser Test! Aber der hessliche Roland "Wo-kann-ich-hier-gegen-Ausländer-unterschreiben" Koch hat ja schon häufiger mit Xenophobie Stimmung gemacht...

(via)

Mittwoch, 29. März 2006

Der ganz reale HartzIV Selbstversuch, letzter Teil

Frau W., die ich in den Monaten meiner Suche nach einer Beschäftigung, alle Nase lang mal brieflich, telefonisch oder persönlich kontaktierte, lud mich für letzte Woche zu einem Termin ein, um den ich gebeten hatte. In ihrem Büro, einer Mischung aus Funktionalität und deprimierender Amtsstubenverstaubtheit, nahm ich an der Kopfseite ihres Schreibtischs Platz und erzählte ihr in knappen Sätzen von meinem Anliegen. Ich blieb bei meinen Ausführungen immer so nah es ging an der Wahrheit, musste aber ein paar stilistische und potenziell mehrwerteinbringende Hinzufügungen bzw. Auslassungen einfliessen lassen. Kurzum wollte ich Kohle haben. Dass ich mich nun als Freelancer betätigen werde und freiwillig aus der gemütlichen Hartz IV-Nichtstuerei und damit aus der Statistik fliegen werde, sollte mir das Amt in Form von Zuschüssen aber mal ordentlich bezahlen. Wie meinte mein Bekannter und Steuerberater? "Die kaufen sich mit dem Überbrückungsgeld gerne von Dir frei."

Siegesgewiss saß ich also mit meinem professionell erstellten, mit Farblaser ausgedruckten und ring-gebundenem Businessplan vor Frau W. und präsentierte ihr mein Konzept. Natürlich war mir schon vorher klar, dass die gute Frau keine Ahnung von den ganzen Begrifflichkeiten hatte, geschweige denn das Interesse hatte, sich meinen Dreijahresplan mit vielen kleinen Zahlen en detail anzuschauen. Ich rechnete mit einigen "Hmmm"'s, "Aha"'s und "Soso"'s und zum Schluss mit einem Stempel, auf dem "Genehmigt!" steht. Leider kam es dann doch etwas anders. "Ihr Konzept sieht viel versprechend aus, r0ssi. Sie haben ja auch schon einen Großkunden in Aussicht, wie ich ihrem Geschäftskonzept entnehme." - "Rightyright, Muttchen! Und wieviel Zaster wird Deine Bande dem Oberdruke nun abdrücken?" (oder so ähnlich) entgegnete ich, während ich mir lässig den Schritt kratzte.

"Leider gibt es bei Arbeitslosengeld 2 keine sonderlichen existenzfördernden Maßnahmen, die sind nur für Empfänger des normalen ALG vorgesehen. Der Gesetzgeber", eines ihrer Lieblingswörter, "hat das so nicht vorgesehen." liess Frau W. mit einem Lächeln des Bedauerns meinen Traum vom "Powered by Arbeitsagentur"-Unternehmen platzen. "Nichts? Hat der Gesetzgeber denn nicht daran gedacht, dass sich eventuell nach der Uni arbeitslose Studenten selbständig machen wollen? Was ist denn mit denen, das sind bestimmt nicht wenige, ich zumindest kenne etliche." - "Tur mit leid, das Einzige was sie bekommen würden, wären 250€ falls sie mit ihren Einnahmen unter der ALG2-Bemessung blieben. Doch ich denke, das wird bei ihren hervorragenden Aussichten wohl kaum der Fall sein" bauchpinselte sie mich. "Dafür müssten sie aber erst an einem dreitägigem Existenzgründerseminar teilnehmen, danach geht ihr Konzept ans Amt für Wirtschaftsprüfung und dann erst erhalten sie einen Bescheid." Im Geiste wähnte ich den Verwaltungsaufwand und die Terminierung dieser Aktionen bis weit ins Jahr 2008 hinein. Selbstredend hätte ich in der gesamten Zeit noch nicht mein Gewerbe ausüben dürfen.

Dass das indiskutabel ist, liegt auf der Hand, ich bin schliesslich schon längst dabei. Also dankte ich Frau W., die sich sichtlich bemüht hatte, die Blätter mit den Vorschriften zu lesen und Kollegen in anderen Abteilungen zu befragen ("Das hab ich in den letzten 15 Monaten erst drei Mal gemacht. Sie wissen, hier machen sich nicht viele HartzIV-Empänger selbständig.") und ging mit meinem tollen nutzlosen Businessplan aus der ArGe, die ich hoffentlich niemals wieder betreten werde. Keine Förderung heisst auch, keine Rechenschaft abelegen; und das ist ja auch mal was wert.

Ende.

(Die ganze Geschichte: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5.)

Montag, 27. März 2006

Demokratie ohne Demos*

Nichtwähler klare Wahlsieger

Nichtwähler klare Wahlsieger bei allen Landtagswahlen
Baden-Württemberg: 46,6 %
Rheinland-Pfalz: 41,8 %
Sachsen-Anhalt: 55,6 %

* Demokratie (griechisch δημοκρατία, von δήμος, démos – Volk und κρατία, kratía – Macht, Herrschaft, Kraft, Stärke)
(Grafikquelle)

Mittwoch, 8. März 2006

Der ganz reale HartzIV Selbstversuch, Teil 5 and nearly done

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Nach acht Monaten des nutzlosen Bloggens (ich hab ja schon vorher angefangen) Rumhängens und Bewerbungen am Fließband fabrizierends hab ich tatsächlich wieder eine sinnvolle, und vor allem Geld einbringende, Tätigkeit, die mich zu einem produktiven Mitglied der Gesellschaft macht. Ach Quatsch, Pathos beiseite! Es ist einfach nur gut, wieder in Lohn und Brot zu stehen und die ansonsten unnütze Energie wieder in sinnvolle Bahnen kanalisieren zu können. Freizeit zu haben macht im Endeffekt doch nur Laune, wenn man dabei kein schlechtes Gewissen haben zu braucht, weil man sich eigentlich um Beschäftigung kümmern müsste. Unter den letzten Umständen im Endeffekt schneller als gedacht bin ich dann doch wieder von der Empfänger- auf die Geberseite gewechselt und - scheiß auf Attitüde - es fühlt sich besser an!

Ohne auf die Einzelheiten eingehen zu wollen, sei nur soviel gesagt: es ist der erste Job meines Lebens, bei dem ich die Früchte meiner Arbeit weder im Radio, Fernsehen oder Internet begutachten kann. Es ist sozusagen ein etwas greifbareres Ergebnis, welches hoffentlich bald zu begutachten sein wird. Der erste Tag hat mich bereits mit mehr Verantwortung konfrontiert als die Summe der letzten Tätigkeiten und ich kann nicht sagen, dass mir das nicht liegen würde. Nennen wir es "Rossi und die großen Tiere" ohne dass sich ebenjener r0ssi verbiegen muss oder althergebrachte Überzeugungen über Bord werfen muss. Im Gegenteil kann ich mich aller Voraussicht nach erstmals mit den Ergebnissen meines Schaffens einigermaßen identifizieren. Sorry für die Kryptik, ist sonst nicht meine Art, aber am ersten Tag will man ja nicht direkt im Pressespiegel des Unternehmens auftauchen.

Hauptsache ist: das Hartz-Gedöns ist so gut wie gegessen, kleinere Antragsgeschichten müssen noch nachverhandelt werden, aber dann ist erst einmal gut mit dieser wirklich erniedrigenden Prozedur. Wie es weitergeht werden wir dann sehen, mein jetziger Status mag mich mittelfristig wieder in diese Lage zurückbefördern, aber das steht erst einmal nicht zur Debatte. Mein Dank gilt neben allen Freunden, Zusprechern und Blogkollegen auch den Ehrensenfern, bei denen ich interessante und lustige drei Monate verbracht habe. Wir sehen uns bei der Bambi-Verleihung! Jetzt werde ich schauen, dass Deutschlands Feuilleton in Zukunft ordentlich was zu schreiben bekommt. Again, sorry for crypticism, you'll get the whole story soon. Und Teil 6 dieser Geschichte wird natürlich auch noch erzählt. Bis dahin versuche ich meine Blogfavs einigermaßen regelmäßig abzusurfen und bedanke mich für die Aufmerksamkeit.

History: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.

Dienstag, 21. Februar 2006

Von Spatzen und Kanonen, Bällen und Schlagstöcken

Die seit Wochen geführte, unsägliche Debatte um den Inlands-Einsatz der Bundeswehr bei der WM bekommt nun eine ganz neue Dimension. Die tapferen Recken haben es nun mit Gegnern zu tun, die sie nicht erst selbst umbringen, sondern nur noch tot einsammeln müssen. Also hat der Staat einfach mal schnell Fakten geschaffen, Kampfflugzeuge überfliegen die deutsche Küste um tote Vögel zu orten, das Heer übernimmt Aufgaben des THW, aber die Seuche wird sich selbstverständlich weiterverbreiten, dafür werden Zugvögel, Reporterpack und Sensationstouristen schon sorgen. Und ich wette um ne 12er Packung Chicken Nuggets, dass das Virus spätestens Ende Mai um sämtliche WM-Stadien herum bei Tauben und sonstigem Federvieh gefunden wird, so dass die Bundeswehr ja quasi aus gesundheitlichen Gründen schon schwerbewaffnete Präsenz zeigen muss. Quasi gegen H5N1, Hooligans und Islamisten gleichermaßen. Und wenn das dann so gut geklappt hat mit dem Einsatz im Inneren kommt wie selbstverständlich der Vorschlag, "sensible Einrichtungen" dauerhaft durch die starke Truppe schützen zu lassen. Ob betandwin darauf auch Wetten annimmt?

Dienstag, 17. Januar 2006

Too fucked up to care anymore

"4,6 Mio. Arbeitslose erwartet" schreibt die Netzeitung und das erste, woran ich denke ist: "Von wem und wo?" Man stelle sich vor die 4,6 Mio. kaufen sich ein Gruppenticket für die Deutsche Bahn und fahren nach Berlin um das Wirtschaftsministerium, Arbeitsministerium oder zumindest die Bundestagskantine zu stürmen. Um sich zu beschweren, dass man sich als Empfänger von ALG2 an die Gerichtsbarkeit wenden muss, um das Amt davon zu überzeugen, dass man durchaus ein Bedürfnis nach Hygiene hat, also ein Badezimmer braucht. Um mal nachzufragen, was die Arbeitsagenturen eisgentlich den lieben langen Tag so machen, wenn sie sich schon nicht um Jobvermittlung kümmern. Oder um einfach mal ein bißchen den Zorn rauslassen wie nen quersitzenden Furz, die Hafenjungs haben das doch gestern in Straßburg auch gemacht (wo SpOn bei ein paar zerbrochenen Scheiben von einem "demolierten Parlament" spricht - quelle différenciation!). Aber von deutscher Protestkultur keine Spur, der Pöbel ist mit Jobsuche oder Resignieren beschäftigt. Ich kann ja auch nicht, muss mich auf das Gespräch am Freitag vorbereiten. Ansonsten gilt ja sowieso: alles wird besser wegen WM und Merkel-Euphorie und so. Aber nix wird gut.

Freitag, 13. Januar 2006

Central Intelligence Agency, Division Pullach

Was ist denn das schon wieder für eine seltsame Geschichte? Just als Merkel dem Dabbelju mal ein wenig auf die Finger klopfen will, sickert durch, dass Deutschland sich sehr wohl am Krieg im Irak beteiligt hat. Oder wie sonst soll man das nennen, wenn Du eine Knarre in der Hand hast und ich zeig auf Leute und sage "Der da würde sich lohnen, den da kannste abknallen und hey, die alte Hässliche da hinten, die auch." Okay, der BND hat also ein bißchen Krieg mitgespielt. Die Frage ist jetzt, was wussten die Special Agents Steinmeier und Fischer von dem Ganzen? Wurde die Bevölkerung von der Politik getäuscht oder machen die Geheimdienstler eh was sie wollen und bekommen ihre Befehle längst aus Langley, VA?

PS: Liebe Spiegel-Redakteure, man kann auch Berichte über Geheimdienste schreiben ohne den Begriff "Schlapphüte" zu verwenden. Aktualisiert doch mal euren 50er-Jahre-Thesaurus.

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