der Rest der Welt

Samstag, 11. März 2006

English for runaways

(Aus aktuellem Anlass) Anglisten und Diplom-Übersetzer vor: warum wird eigentlich immer bei Kriegsverbrechern der Anklagepunkt "Crimes against humanity" in "Verbechen gegen die Menschlichkeit" übersetzt? Das ist ein einfacher Mord ja wohl auch, würde ich mal behaupten. Im Sinne des Erfinders war doch eher "Verbrechen gegen die Menschheit" gemeint, oder?

Dienstag, 28. Februar 2006

Mardi Gras

Heute wird Trümmertango in New Orleans getanzt. Und sie haben verdammt Recht damit!
(Flickr-Pool)

Mittwoch, 1. Februar 2006

Freedom of Speech

Tags: Mohammed, Karikatur, Jyllands Posten, Satire, Boykott, Islamisten, Redefreiheit

Fuck off, Nihilists!

(Um Applaus von der falschen Seite vorzubeugen: Das ist weder ein pro-irgeneiner noch contra-irgendeiner Weltanschauung-Statement. Es geht mir nur darum, dass sich jeder gefallen lassen muss, (satirische) Kritik einzustecken. Ob ich gezeigtes gut oder schlecht finde, ist dabei unerheblich. Es kann aber nicht angehen, dass aus falscher Rücksicht das Recht auf freie Meinungsäußerung beschnitten wird. "Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden" (Rosa Luxemburg).

Mittwoch, 25. Januar 2006

Case scenarios for the new arrivals

Willkommen, Jonas, junger Mensch! Wo bist Du denn vorgestern hier gelandet? Das fragst Du Dich nicht nur selbst, sondern auch viele, die schon ein paar Tage älter sind als Du. Wenn wir hoffentlich in drei Jahrzehnten zusammen feiern - Du Deinen 30. und ich meinen 60. Geburtstag - können wir ja mal schauen, was die Welt bis dahin für ein Ort sein wird. Auch wenn man das kaum vorhersehen kann, werde ich mal zwei grundsätzliche Prognosen wagen:

1. Worst-Case-Scenario:
Wir feiern unsere gemeinsamen Geburtstage an der libyschen Nordküste in einigermaßen angenehmen Klima. 6°C sind ein vernünftiger Wert für Ende Januar in Nordafrika, Europa liegt zu dieser Zeit unter dickem Schelfeis, wie der Großteils des Kontinents auch den Rest des Jahres. Die EU hat mit Unterstützung der assoziierten USA und den wiederauferstandenen, neo-faschistischen UdSSR frühzeitig die nordafrikanischen Staaten erobert und seine Ansprüche auf die Territorien mit verbesserter Infrastrukturhilfe begründet. Der so genannte Krieg gegen den Terror wurde damit auf Gebietskriege in Zentralafrika kanalisiert, insbesondere nachdem die USA den gesamten Mittleren Osten eingenommen hatten. Der Klimawandel, der von regimetreuen Wissenschaftlern inzwischen als geologisch und nicht menschengemacht entlarvt wurde hat große Teile des äußersten Nordens unbewohnbar gemacht. Der Golfstrom ist nur noch ein Rinnsaal, welches den Ärmelkanal zu einer 1a-Eislauffläche gemacht hat und Skandinavien unter kilometer hohen Gletschern begraben hat, ebenso wie Kanada und Sibirien. Gefahr droht insbesondere aus Südamerika, welches sich zu Beginn des 21. Jh in ein sozialistisches Kollektiv gewandelt hat und aufgrund seiner von Klimakatstrophen einigermaßen verschont gebliebenen Wirtschaft inzwischen Supermacht geworden ist. Der Zusammenbruch der japanischen und nordeuropäischen Wirtschaft und Börse hat die dortigen Flüchtlinge empfänglich für die neo-sozialitische Doktrin gemacht. Der letzte drei-Fronten-Krieg hat die US-UdSSR-Europäischen (UUE) Truppen stark geschwächt. UUE-Aussenministerin Britney Spears hat bislang noch kein Szenario zur Rückgelangung der Doninanz entwickelt.

2. Best-Case-Scenario
Zwei Jahre nach Deiner Geburt hat eine UN-Konferenz endlich unter der Führung aller Staaten anerkannt, dass sich die Menschheit auf einem Jahrtausende alten Irrweg befindet. In einer globalen Allianz wurde mittlerweile konstatiert, dass Ideologien und Religionen in die Irre führen und menschengemachte Probleme das Überleben Aller gefährden. Danach begann endlich das Umdenken, eine weltweite Abrüstung, gepaart mit der sofortigen Einstellung aller kriegerischen Auseinandersetzungen. Der Umwelt wurde absolute Priorität eingeräumt, ebenso wie der Aufhebung aller politischen und wirtschaftlichen Unterschiede. Innerhalb von 15 Jahren konnten sich die Staaten Afrikas und die sich deren Vorbild anschließenden Staaten des mittleren Ostens an das Prosperitätsprogramm der UN anschließen und davon profitieren. Börsen und Wirtschaftsliberalismus sind schmutzige Geschichte. Die UN ist inzwischen die sprichwörtliche Weltregierung und ist die wirklich wahre, gut funkionierende supranationale Organisation. Nicht nur die EU, sondern auch die USA und China haben ihre Kompetenzen und die letzten strategischen Waffen den Vereinten Nationen übergeben, die die inzwischen allgemein anerkannte und letzte überlebende Exekutive ist. Nur so konnten sich die früher so genannten Schurkenstatten ebenfalls von ihren Ansprüchen lossagen und die Welt selbst das Klimaproblem noch einigermaßen in den Griff bekommen. Wir feiern nun - im Januar 2036 - in normalem Klima, bei 14°C in Hamburg, Middlenorthern Europe. Cheerio!

Freitag, 20. Januar 2006

Declare guerre nucléaire

Mince alors, M. le Président! Was zum 'Enker ist denn da in Sie gefahren? 'Aben Sie da gestern wirklisch mit einem Atomwaffenangriff gedroht? Sacre bleu! Nach dix ans juckt es Ihnen wohl wieder in den Fingern eine klitzekleine Bömbschen zu zünden, vrai? War das schön damals im Pacifique, als sie zum letzten mal in Mururoa und Fangataufa zeigen konnten was eine Grande Nation zu leisten im Stande ist. Aber dieser blöde Protest von diesen 'Ippies, malheureusement! Aber jetzt wo diese wildgewordenen Araber die Welt in Schutt und Asche legen wollen, schlagen Sie, Jacques Chirac, Retter supragallischer Dominanz - non, nicht zurück - sondern voraus. Ein coup préservativ sozusagen. Irgendwozu müssen die Bömbschen ja auch gut sein, oder? Fighting fire with fire würden die 'ässlichen Engländör, die nach dem Onanieren kaltes Wasser trinken, wohl dazu sagen. Aber mal unter uns Klosterschwestern, M. le Président, sie 'alten sich für einen starken homme, aber wollen Sie nicht einfach nur von der emmerdanten innenpolitischen Lage ablenken? 'Aben Sie Schon mal an Präservativschläge in der Banlieue gedacht...?

Dienstag, 6. Dezember 2005

Schluck, Du Luder!

Ich liebe diese reißerischen Überschriften und hab gleichzeitig wieder was fürs Google-Ranking getan.

Im Ernst: eine Geschichte bei SpOn, die ich gestern bereits in der Printausgabe gelesen hab und ziemlich heftig ist. Ein (fast) ganz normaler Spießertyp mit Frau und Kind aus nem Kaff in Thüringen kommt im Urlaub in Bolivien auf die grandiose Idee, pfundweise Koks in Plastetütchen zu schlucken, fliegt selbstverständlich am Zoll auf ("Er schwitzte stark, seine Augen waren gerötet, die Lippen trocken, der Bauch war aufgebläht, sein Atem roch nach Gummi. Die typischen Symptome eines Schluckers") und kommt in den Knast. Und bei Knast geht es nicht um die Rundumversorgung wie in der BRD, sondern einfach um ein Dorf mit Mauer und Stacheldraht drum herum. Drinnen herrscht Anarchie, Wachen gibt es nicht, keine tolle Aussicht, da nun mindestens acht Jahre verbringen zu müssen, zudem ohne ein Wort Spanisch zu können...

Donnerstag, 17. November 2005

Ich mach mir die Welt...

...wiedewiedewie sie mir gefällt, dachte sich wohl Europas prominentester Haartransplant, Diktator Silvio Berlusconi. Um die Neuauflage der Römischen Verträge, aka Europäische Verfassung zu feiern, lässt er grad mal eben 18 Mio. "Sondermünzen" prägen. Dass die Verfassung grandios gescheitert ist, ist da doch eher nebensächlich. Hauptsache man kann seine louisquatorzesque Herrlichkeit demonstrieren. Im Staatstreich Handstreich hat er dann auch eben noch mal schnell die Verfassung ändern lassen, um es gelinde auszudrücken. De facto hat er eine neue Republik geschaffen, in der viel zu viel Macht vom Parlament auf das Premierministeramt verschoben wurde. Irgendwie gefällt mir das nicht.

Dienstag, 8. November 2005

L'État ce sont nous

Gestern schrieben nicht weniger als ein halbes Dutzend Tageszeitung, dass "Frankreich brennt". Mal davon abgesehen, dass der Thalys aus Paris im Bahnhof keinerlei Schmauchspuren aufwies, ist diese Behauptung natürlich eine harte Übertreibung, reflektiert aber das Gefühl des Unverständnisses und der Hilflosigkeit. Schon hört man die ersten deutschen Politiker französische Verhältnisse besorgt herbeisehnen, andere sprechen von angeblich gescheiterten Multikulti-Verhältnissen. Alles Quatsch!

Auch ohne gesellschaftspolitischer Experte unserer Nachbarn zu sein, kann man doch schnell zusammenreimen, woran sich die Gewalt der Jugendlichen festmacht. Hier geht es nur am Rande um "Rassenkrawalle", in erster Linie entlädt sich nun der jahrzehntelang angestaute Frust einer sozial isolierten Schicht, deren wichtigstes Merkmal Armut und Chancenlosigkeit ist. Die Gesellschaft und vor allem die Politik hat dieses Problem stets ignoriert, aber es war nicht unbekannt. Gewisse Distrikte in der Pariser Banlieue werden gemieden, erst Recht nach Einbruch der Dunkelheit. Die dort lebenden Menschen stehen quasi außerhalb der Gesellschaft, da sie weder als Arbeitskräfte (aufgrund mangelnder Bildung) noch als Konsumenten (aufgrund fehlender Kaufkraft) sinnvoll eingesetzt werden können. Sozialpläne wurden gar nicht oder nur unzureichend eingesetzt.

Wer ganz unten steht hat niemanden zum Draufhauen, also wird der Staat zum Feind, bzw. dessen Einrichtungen wie Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten. Dabei gehen die Randalierer ähnlich unüberlegt vor, wie die Leute bei den LA Riots 1992. Sie legen ihre eigenen Viertel in Schutt und Asche anstatt den Elysée-Palast zu belagern. Frankreich hat eine starke liberale Tradition und ist zurecht stolz auf die Werte der Revolution. Aber in der cinquième République der heutigen Zeit scheinen Gleichheit und Brüderlichkeit nicht mehr viel zu gelten, Freiheit an sich ist ein Wert ohne Inhalt.

Es ist nun an der Zeit, dass Sarkozy als Innenminister zurücktritt und Chirac und Villepin sich endlich Gedanken machen, wie man die Ursachen der Gewalt beseitigt anstatt nur Ausgangssperren zu verhängen. Eine weitere Gefahr besteht nämlich auch die amtierenden Politiker und für ganz Europa. Dadurch nämlich, dass die Faschisten bei den kommenden Wahlen wieder groß auftrumpfen, weil die einseitige mediale Vermittlung, die Brandreden einiger Politiker und die Ignoranz breiter Bevölkerungsteile zu Protestwahlverhalten führt.

Mittwoch, 2. November 2005

Nazi-Lolitas

Immer wenn man denkt, es kann nix mehr kommen, was einen überraschen kann, dann kommt es aus den USA. Heute brandneu in der Abteilung "What the fuck?" ist das Gesangsduo "Prussian Blue". Dabei handelt es sich um zwei zwölfjährige Zwillingsschwestern, die herzergreifende Nazi-Folkmusik spielen und das neue Aushängeschild der US-Rechtsextremen sind. Optisch an die Olsen-Twins erinnernd verkörpern sie die längst fällige Allianz von lolita-esquer Vermarktung und inhaltlicher Radikalität. Inhaltlich sind die beiden Schnuckis schon ordentlich mit faschistischem Rüstzeug gewappnet: Holocaust-Leugung, Sozialdarwinismus, Rassentheorie - keines der beliebten Nazi-Themen fehlt hier.

nazi-scum

Und da die beiden ja so süß sind fallen wohl auch schon die ersten Veranstalter darauf herein und bieten "Prussian Blue" Auftrittsmöglichkeiten auch auf Mainstream-Festivals an, können Zahnspangen lügen? Als Vorbilder nennen die zwei Lolitas from Hell neben Greenday, Avril Lavigne und AC/DC auch Skrewdriver und Max Resist - das nenne ich mal ne wilde Mischung. Ich freu mich schon darauf die ersten Glatzen mit Fanshirts rumlaufen zu sehen.

(via Süddeutsche und Shesaiddestroy (inkl. Links zum Thema))

Dienstag, 25. Oktober 2005

Hurricanes und kein Ende

Wenn ich so die Wetterberichterstattung verfolge, fallen mir mittlerweile mehrere anmerkenswerte Tatsachen ins Auge. Erstens die vollkommen sensationsgeile Berichterstattung auf Nachrichten-Sendern wie n-tv oder N24, die sich in stundenlangen Mutmaßungen über potenzielle Opferzahlen und Schadenshöhen ergehen und die Ursachenproblematik nur eben so am Rande touchieren. Gestern fragte dann dieser Moderatorenhansel bei enntehvau einen Klimaforscher, ob es möglich sei, dass die Menschen für die Erwärmung der Atmosphäre zuständig sein könnten. Als sei dies in irgendeiner Weise noch diskutabel. Meines Wissens nach haben die UN spätestens in Rio 1992 dieses Faktum anerkannt. So blieb dem Wissenschaftler auch nichts anderes übrig als zu antworten, er wüsste nicht welche anderen Faktoren hierfür in Frage kämen.

Die andere Sache, die mich beunruhigt ist, dass mittlerweile große Stationen meines letzten Urlaubs verwüstet wurden. Beim vorletzten Hurricane waren es New Orleans und die Küsten von Mississippi und Alabama, beim letzten Hurricane war es Houston und nun stehen die Keys, insbesondere Key West unter Wasser, ebenso betroffen ist Miami. Ich habe bislang noch nichts von der Verwandtschaft dort unten gehört, hoffe aber mal, sie sind trocken gelieben, ebenso wie ein befreundetes Pärchen, dass in Mittelamerika seine Flitterwochen begangen hat und gleich von Ausläufern zweierHurricanes betroffen waren, ohne dass Schlimmeres passiert wäre. Welcome back! Ein wenig seltsam kommt mir das alles schon vor - überall wo ich war herrschen jetzt Chaos und Verwüstung. Das kenne ich sonst nur von Parties, wo ich auftauche...

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