Vor ziemlich genau zehn Jahren habe ich mir das erste Modem gekauft. Damals war ich seit einem Jahr Besitzer eines sündhaft teuren High-End-PCs, einem 486DX2 mit 66MHz, der war immer noch schneller, als der erste Pentium mit 60MHz, dazu hatte ich mir ein "Multimedia-Kit" geleistet, einem Double-Speed CD-ROM nebst Soundkarte. Der ganze Spaß hat inklusive Monitor schlappe 2.800DM gekostet, dass der ganze Scheiß erstmal nicht lief, war natürlich abzusehen, Systemstabilität hatte damals noch viel mit Lottospielen zu tun. Wer mit Windows 3.11 unterwegs war, hatte aber enorme Vorteile zu dem gerade erschienenen Win95, er lernte nämlich unter
DOS zu programmieren. Wie lange man in kryptischen Dateien namens "autoexec.bat" oder "config.sys" herumtippen musste, bis alles so lief wie man es wollte, war schon enorm.
Nun hatte ein knappes halbes Jahr später meinen Arbeitsspeicher von 4MB auf 8MB aufgerüstet, was mir ein 250DM tiefes Loch in meine knappe Zivikasse riss. (Na gut, glatt gelogen. Ich hatte selten soviel Kohle wie als Zivi.) Was ich aber viel sehnlicher wollte war ein Modem, seit 1-2 Jahren gab es den "Information Superhighway" oder auf deutsch "Datenautobahn", dessen Zuständigkeitsbereich die fette Birne damals
auf unnachahmliche Art im Verkehrsministerium verortet hatte. In der Tat war der Begriff "Internet" (heute synonym für das World Wide Web verwendet) bislang nur unter Nerds verbreitet. Aber das WWW war nun auch noch sehr neu, aber oder deswegen ich wollte es haben. Wofür genau wusste ich nicht so recht, das erste Mal als ich im Web surfte, so Ende 1994, wusste ich noch nicht so recht, was ich mir anschauen sollte, das Ferrari-Museum (warum auch immer) war zumindest eine Seite, an die ich mich erinnern konnte.
Also kratzte ich erneut 300DM zusammen und ging zu "Escom". Dort erstand ich mit den drei Blauen ein 14,4KBaud-Modem. Zwar gab es seit geraumer Zeit auch 28,8er, aber die waren schlicht unbezahlbar. Freudig erregt steckte ich es es ein, kaufte noch 15Meter Telefonkabel dazu und fuhr nach Hause. Ich hatte eine CD des Providers "Metronet", der für 9,99DM im Monat eine Flatrate versprach, wohlgemerkt kamen dazu noch die Telefongebühren. Ich installiere alles und es klappte sogar, ich war online! Leider konnte ich noch niemandem eine Email schreiben, dazu musste ich noch ein paar Monate warten, aber ich konnte nun durch das Web surfen.
Das Netz fand damals zu 95% auf Englisch statt, deutsche Seiten waren noch äußerst selten, aber das machte nix. "Yahoo!" war damals state of the art in Sachen Suchmaschine bzw. Webkatalog und so lernte ich nach und nach die große weite Online-Welt kennen. Was damals auch noch sehr angenehm war: es fand so gut wie keine Werbung statt, das Netz war noch recht akademisch geprägt und auch gute Pornoseiten musste man damals noch regelrecht suchen, heute wird man von denen gefunden, ob man will oder nicht. Browser war der unschlagbare "Netscape Navigator 3.0", Microsoft hatte damals noch nichts vom Internet gehört und hatte folglich auch noch keinen Browser am Start.
Aus Ermangelung an Bekannten mit Zugang zum WWW führte ich Kommunikation via
IRC über die verschiedensten Themen, versuchte
Usenet als Schwarzes Brett zu benutzen und lernte sogar ein nettes Gothicmädel aus Alaska kennen, mit der ich einige Jahre eine Online-Freundschaft führte. Alles in allem war das eine lustige Zeit, auch wenn man auf jedes Bildchen ewig warten mussste bei einer Topübertragungsrate von 1,4kb/sec. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich heute mit knapp 500kb/sec. surfen und downloaden kann, hätte ich ihn wohl für bekloppt erklärt. Aber das wird sich 2015 rückblickend wohl so ähnlich anfühlen, schätze ich.