...was mit Medien

Donnerstag, 30. März 2006

Capitalism stole my virginity

"Der Kapitalismus ist wie ein Typ, der einem beim Reden zu nahe auf die Pelle rückt, sodass man den Atem riecht. Und dann fasst einen dieser Typ auch noch an. Ich mag das nicht."

Harald Martenstein - wieder mal - on point.

Donnerstag, 9. Februar 2006

Fanboidom

Die bezaubernde, herrlich relaxte und unprätentiöse Charlotte Grace Roche wird ab heute Tracks auf arte einmal montalich moderieren. Die Frau, die aus der gleichen Stadt wie ich stammt und in der gleichen Stadt wie ich wohnt gehört zu der handvoll Menschen in Deutschland, die es einfach drauf haben. Ihre Sendung "Fast Forward" war damals ein redaktionelles Kleinod in der Fernsehwüste, ihre Interviewsendung bei Pro7 zeigte, wie man es richtig macht und sogar Mr.Williams wurde schwach, als sie ihm derart unbeeindruckt noch die (nur vordergründig) abstrusesten Fragen stellte. Ein sexuelles Angebot seinerseits wischte sie äusserst trocken hinweg. Ihr gestriger Auftritt bei Harald Schmidt (Video) war ebenfalls klasse. Völlig uneitel gestand sie nicht nur, dass ihr der linke vordere Schneidezahn fehlt, sie nahm sogar die Prothese heraus, nur um diese dann im hohen Bogen zu werfen und mit dem Mund wieder aufzufangen. Rock'n'Roll, Baby! Die freshste, coolste, witzigste Moderatorin ist zurück. Ick freu mir wie Bolle!

Montag, 30. Januar 2006

Höhepunkte des Kapitalismus IV

Wo wir unten eben schonmal durchs Dülps Gewinnerbeitrag beim Thema waren und auch MC Winkel in seinem heutigen Beitrag eine derart gestaltete Metapher benutzt hatte, war ich beim Durchblättern des neuen Spiegel wahrscheinlich ein wenig für dieses Thema sensibilisiert. Hörzu will sich also offensichtlich um ganz neue Leserkreise bemühen oder macht sich meine perverse Phantasie gerade selbständig?

click for zoom

Donnerstag, 26. Januar 2006

Censorshit

Google China arbietet Hand in Hand mit dessen Regime und filtert, ergo zensiert, Suchergebnisse. Wie schon bei Yahoo und Microsoft wird der Zugang zum Markt mit Zugeständnissen an die Freiheit erkauft. Eine Suche bei google.cn könnte also bald wie folgt aussehen:

"Your search - democracy - did not match any documents.
Suggestions:
* Make sure all words are spelled correctly: Did you mean "dictatorship"
* Try different keywords: "regime", "totalitarianism", "communism"
* Try more general keywords: "china"
* Try no keywords at all.
* Try another search engine."

Wer hat nochmal den Blödsinn von den befreienden Kräften des Marktes verzapft?

(Zitat via: Open Letter to Google)

Mittwoch, 11. Januar 2006

Der Technik-Fuchs am Mittwoch

Ich war gerade in der Verlegenheit, eine größere Anzahl Bilder von 6 Mio. Pixel auf ein handlicheres Format runterzubrechen. Die Lösung: einfach die Bilder auswählen und mir selber über Outlook schicken. Das Programm fragt vorher ob es die Bilder vorher verkleinern soll. Angekommen sind die Pix dann im praktischen VGA-Format. Das reicht ja auch für Flickr. Mann bin ich clever...

Dienstag, 10. Januar 2006

Die Anti-Deutsche

Susanne Osthoff hat ein Problem: sie ist nicht deutsch genug. Sie hat den falschen Glauben, die falschen Ansichten und sie lebt ein falsches Leben. Das jedenfalls musste man in den vergangenen Wochen denken, wenn man sich die veröffentlichte Meinung ansah. Man stelle sich vor, diese Frau ist nicht nur zum Islam konvertiert, sondern arbeitet auch noch in einem Kriegsgebiet während ihre arme vernachlässigte Tochter in Deutschland auf ein Internat geht. Dann soll der deutsche Staat auch noch den Karren aus dem Dreck ziehen, wenn diese Person sich entführen lässt und hat er dies geschafft, zeigt sie noch nicht mal die nötige Demut ob ihrer Rettung, sondern verspottet "irre, wie eine Islamistin gekleidet" die deutsche Öffentlichkeit. Dies waren nicht nur Ansichten großer Boulevardzeitungen, diese unreflektierte Meinung haten auch Leute in meinem Umfeld.

Gestern hatte Frau Osthoff erstmals die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge im deutschen TV zu schildern. Der Auftritt im "heute-journal" an Weihnachten, zweifelsohne ein Tiefpunkt in dessen Geschichte, zählt an dieser Stelle mal nicht. Ein solches "Gespräch" mit einer offensichtlich noch traumatisierten Frau hätte kein Chef von Dienst freigeben dürfen. Nun erlebte man bei Reinhold Beckmann gestern eine Frau, die so gar nicht in das Raster passte, welches in den letzten Wochen vorgegeben wurde. Man sah eine hochintelligente, scharfsinnige, attraktive, auch abgeklärte Archäologin, die sich vielleicht in Arabien inzwischen besser zurechtfindet als in Deutschland. Die pragmatisch, also handlungsorientiert, ist und weisungsgewohnt scheint. Alles Attribute die das Gegenteil vom deutschen, aber auch vom Klischee der Muslima sind. Eine Frau, die die arabischen Sitten gut kennt und die eine Auszeichnung für ihr humanitäres Engagement bekommen hat.

Nichts wies darauf hin, dass es sich hier um eine geistig verwirrte, spleenige oder radikale Frau handelt. Warum auch? Wieso wurde es ihr überhaupt zum Vorwurf gemacht, im Irak zu arbeiten anstatt jedem, der sich dort einsetzt die höchte Wertschätzung auszudrücken. Das ist typisch deutsch, das ist die Mentalität, die Susanne Osthoff auch offenkundig nicht mehr versteht. Ein Lob geht auch an Reinhold Beckmann, der sich ausnahmsweise mal zurückhielt und seinen Gast einfach reden ließ, der - wo er offenkundig keine Ahnung hatte - einfach mal den Mund hielt und bis auf einige Ausnahmen gegen Ende der Sendung keine Anstalten machte, doch noch einen emotionalen Aspekt aus der Sache heraus zu kehren.

Dies konnte auch nicht funktionieren, da Frau Osthoff dazu zu clever ist und das Spielchen mit den Medien nach teurem Lehrgeld in den vergangenen Wochen inzwischen zwar durchschaut hat aber deswegen noch lange nicht mitspielt. Das einzige was sie verständlicherweise in Rage bringt, sind die gegen sie lancierten BND-Vorwürfe. Dies ist insoweit verständlich, da sich im arabischen Raum mit solch einem Stigma kaum Leben lässt. Es ist an der Zeit, dass sich gewisse Medien bei Susanne Osthoff entschuldigen und anerkennen, dass diese Frau vier Wochen täglich um ihr Leben bangen musste und diesen Umstand besser verkraftet hat als die große Mehrheit der Deutschen es in ihrer Lage zu tun vermocht hätte.

Montag, 9. Januar 2006

How to make Doherty History

Da gibt es also diesen kleinen drogenabhängigen Fatzke, der Pete Doherty heisst, seines Zeichens ehemaliger Sänger einer Combo namens Libertines ist, die mal als der heissteste Scheiss seit Erfindung der E-Gitarre galten. Dummerweise nahm Herr D. Sex und Drugs wichtiger als den Rock'n'Roll oder er war einfach zu schwach um alles zusammen unter einen Hut zu kriegen. Deswegen schmissen ihn seine Bandkollegen raus, Doherty gründete die Babyshambles und nimmt weiter massig Drogen. Seine Liaison mit Kate Moss machte ihn vor einiger Zeit auch für die Massenmedien interessant. Natürlich lechzt die Yellow-Press nach solchen Geschichten in diesen Zeiten, da Skandale nur noch von den Medien inszeniert werden.

Man nehme also geiles, älteres Model mit Drogenvergangenheit und wilden, jüngeren Rockstar, der sich alles einwirft, was nicht gesund ist und verfolge mit äusserstem Voyerismus wie sich die beiden einer Tour de Force hingeben, in der es nur darum gehen kann, wer zu erst die Flinte ins Korn wirft. Das alles wird von der schreibenden Zunft und ihren parasitären TV-Kollegen quasi täglich aufs Neue aufbereitet. Höhepunkt der ganzen Chose war nun die süße Kate beim Nasepudern, was natürlich nur rein zufällig fotografiert wurde. Und zwar schön mit Handycam, damit das Bild den Leser auch ja in die Position des Peeping Tom versetzt, der das alles heimlich beobachtet. Hautnah bei den Stars quasi und - "haben wir es nicht immer gewusst" - natürlich nehmen die Drogen. Ich frage: na und? Was Fräulein Moss in ihrer Freizeit macht ist mir vollkommen egal, ebenso wie das, was Herr Doherty privat und beruflich macht.

Aber es scheint eine von den Medien erkannte oder geschaffene Interessenssphäre zu geben, in denen diese Tatbestände auf Interesse stoßen oder gestoßen werden. Dazu gehört ebenfalls der Spiegel (gedruckt wie online). Gerade bei SpOn vergeht kaum ein Tag, in denen nichts von den beiden gefallenen Engeln zu lesen wären. Um genau zu sein ist es nur noch ein gefallener Engel, Kate Moss durfte sich nämlich aus dem Staub erheben, an die Hand genommen von öffentlichen Fürsprechern und neuen Auftraggebern. Doherty wurde nun die Rolle des deprimierten, einsamen, suizidgefährdeten Maniac zugewiesen. Als wolle man den Faux-pas gutmachen, damals nicht genug über Kurt Cobain in den Monaten vor seinem Ableben berichtet zu haben, zieht man nun das volle Programm durch. Da kann es doch aus Sicht der Pressemeute doch nur ein Zeichen sein, dass Doherty im März 27 Jahre alt wird, gemeinhin das Standardalter für tote Rockstars.

Sonntag, 8. Januar 2006

Flat Characters

"UNSERE KOMIKER - Warum Atze und Maddin nerven"

Stefan Niggemeier trifft - wieder einmal - den Nagel auf den Kopf.

Mittwoch, 21. Dezember 2005

Servus Herr Mahr!

Erinnern Sie sich noch an mich? Nein? Macht nix, wir sind uns ja nicht so oft begegnet. Dafür kenne ich Sie, das reicht ja. Nachdem Sie damals RTL verließen und samt Sekretärin nach München gingen, da dachte ich mir: "Schauts an, den Mahrhansi! Ein echter Player, hat sogar das öde Skispringen zum Event gemacht, lässt sich die kernlosen Trauben bald an der Isar servieren und schaut, dass der Mantel von Ottmar Hitzfeld farblich zur Hose passt. Der hats doch drauf, der Mahrhansi und immer besorgt, rief bei Ächteh Ell sogar während der nächtlichen Nachrichten an, weil er sich um die schlecht sitzende Frisur der Moderatorin sorgte. Ja der Mahrhansi wird Premiere in güldene Zeiten führen, in eine Zeit, in der 80% der Deutschen ohne sein Pay-TV nicht mehr leben werden können."

Ja, das dachte ich damals und winkte ihm aus Köln leise nach. Aber was ist nun passiert? Premiere hat beim Bieterstreit um die Bundesligarechte verloren! Das heißt KEIN FUSSBALL MEHR BEI PREMIERE! Das ist ja wie Fish ohne Chips, wie Ballermann ohne Sangriaeimer, wie Pommes ohne Frites. Unfassbar, oder? Was ist passiert? Wo war Mahrhansis Sinn für den richtigen Moment, wo sein Verhandlungsgeschick? Gab es auf dem Viktualienmarkt die falschen Trauben? Wars der Föhn oder die kuschlige Atmosphäre bei RTL, die ihm fehlte? Ich bin erschüttert, und mit mir auch die Premiere-Aktionäre, denen Dülp einige Tipps gibt. Wenigstens hat die Liga uns die Freitagsspiele zurückgegeben.

Sonntag, 11. Dezember 2005

Trash-TV Saturday

Gestern Abend hab ich nach min. 10 Jahren zum ersten mal wieder "Wetten dass...?" gesehen. Das war eher Zufall und lag nicht daran, dass Robbie Williams zu Gast war. An dessen Auftritt gabs auch wenig zu mäkeln, auch wenn mir seine Musik kaum egaler sein könnte gab er sich wie gewohnt als Mr. Nice Guy und hätte an dem Abend wohl jede in dem Saal haben können. Das wars aber auch mit dem Positiven. Gottschalk ist im Alter noch weitaus schlimmer als früher, seine eklige Pseudolockerheit gepaart mit seiner falschen Freundlichkeit und Grabscherei sind einfach nur abstoßend. Zu Gast war u.a. 50 Cent, dessen Credibility nach 2 Stunden zwischen Atze Schröder und Gabi Köster sitzen ziemlich im Arsch sein dürfte. Dass er noch nicht einmal performte, sondern lediglich seinen Film promotete, schlug dem Fass den Boden aus. Auch nicht sehr credibel war der Auftritt von "Wir sind Helden", denen Vollplayback nicht gut zu Gesicht steht. Immerhin ham'se ne hübsche Sängerin. Die Wetten hab ich vergessen, auch weil ich nicht immer auf die Glotze geschaut hab. Nach den obligatorischen 30 Minuten Verlängerung war der Spuk dann zum Glück vorbei.

Zweites Highlight war "Die lange Nacht der Hitparade" mit den Höhepunkten der Jahre 78-84, also zu einer Zeit als es nur drei Programme und den Holländer gab und ich quasi zwangsläufig jede Woche Zeuge von Heck'scher Schnellsprecherei wurde. Großartig! Natürlich war unheimlich viel Kappes dabei, aber auch klasse Auftritte von Trio, Hubert Kah oder Bata Illic. Höhepunkt waren die Gebrüder Blattschuss mit "Kreuzberger Nächte", dem wohl besten Stimmungslied aller Zeiten. Und nachdem ich in Heinz Strunks Buch gelesen hatte, dass Roland Kaiser die versautesten Texte von allen haben soll, konnte ich das gestern verifizieren. Dass "Santa Maria" von einer geplanten Defloration handelt ist schon irgendwie strange wenn man bedenkt was für ein Hit das damals war. "Nachts an deinen schneeweißen Stränden / hielt ich ihre Jugend in den Händen". Was zum...? Mein TV-Bedarf hinsichtlich ZDF-Unterhaltungsformate ist für die nächsten 10 Jahre gedeckt, nur gut dass ich nicht auch noch die schaurige WM-Auslosung sehen musste. Werde übrigens Portugal-Angola sehen, versuche aber noch im Tausch an Schweden-England zu kommen.

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