Der ganz reale HartzIV Selbstversuch, Teil 2
Um 10 Uhr stand ich "Jobcenter" vor einer verschlossenen Tür. Hinter dieser Tür sollte eigentlich meine Sachbearbeiterin, Frau W. (diesmal eine andere) sitzen und mit mir den Antrag auf Arbeitslosengeld II bearbeiten.
Nachdem ich einige Minuten dumm im Flur herumstand kam eine Frau mittleren Alters, um im Kopierraum einige Abzüge zu machen. Nachdem ich sie angequatscht hatte stellte sich heraus, dass es ebenjene Frau W. war, auf die ich erfolglos wartete. "Tut mir leid, ich bin in eine anderen Abteilung eingeteilt worden, aber kommen sie mal mit." - Ein einfaches Schild an der Tür hätte vielleicht nicht schaden können, aber wenigstens hatte ich Glück.
Sie nahm mich dann auch sofort mit in ihr provisorisches Büro, auf dem Weg dorthin passierten wir eine endlose Schlange von Erwerbslosen, die am Eingang des "Jobcenters" anstanden. Diesmal beschränkte sich die Warteschlange allerdings nicht auf das Treppenhaus, sondern ging bis weit auf den Vorplatz des Gebäudes am Kölner Justizzentrum hinaus. Wer ganz hinten stand durfte mit mindestens 2,5h Beine-in-den-Bauch-stehen rechnen.
Im Büro angekommen erwies sich die heutige Frau W. als überaus nett, ganz im Gegenteil zu dem alten Drachen von letzter Woche, den ich auch kurz zu Gesicht bekam. Nun hiess es einen Riesenwust von Papieren durchzugehen. Aber so wie es aussah, hatte ich alle 25 Antragsformulare richtig ausgefüllt - für irgendwas musste das Studium ja gut sein. Danach verschwand die gute Frau wiederum zum Xerox um meine Nachweise zu fotokopieren - u.a. die Kontoauszüge der letzten drei Monate: jetzt können die Beamten dort nicht nur ein Bewegungsprofil meinerseits (inkl. meiner Route durch die USA) erstellen, sondern wissen auch, was ich gerne bei Ebay ersteigere oder welcher mein Lieblingssupermarkt ist. Naja, für Paranoia ist bei einem solchen Termin kein Platz.
Ein Formular hatte ich vergessen auszufüllen, wahrscheinlich weil es nichts auszufüllen gibt. Dabei handelt es sich um die Rubrik "Vermögen". Nunja, irgendein popeliger Fontvertrag, der mehr Geld verschlingt als er einbringt musste nachgetragen werden. Ebenso mein Kfz, ich hab die Transalp mal auf 1000€ Restwert geschätzt. Was einen irritiert sind die Fragen hinter den Angaben zu Bausparvertragen und Lebensversicherungen: "wieviel Verlust würden Sie bei einer vorzeitigen Auflösung des Vetrages erleiden?" Hier wird ganz klar darauf hingewiesen, dass man erst seine sämtlichen Ressourcen aufbrauchen muss, bevor man mit auch nur einem müden Cent rechnen darf.
Zumindest in diesem Punkt hat Lafontaine recht, wenn er - wie letzten Samstag - davon spricht, dass Arbeitslose sich heute einer "würdelosen Prozedur" stellen und "ihr Vermögen und ihren Bausparvertrag verscherbeln" müssten, ehe sie staatliche Leistungen erhielten. Dabei dienen solche Versicherungen oder Verträge ja in erster Linie der Alterssicherung.
Nachdem noch hier und dort ein Stempel und eine Unterschrift nötig war, hieß es: "Vielen Dank für Ihre Kooperation und Ihre Unterlagen,Sie bekommen dann einen Bescheid mit Ihrer Anspruchsberechnung von uns." - Nach dem Stapel auf Frau W.'s Schreibtisch zu urteilen, kann das allerdings eine ganze Weile dauern. Hoffentlich hab ich bis dahin schon wieder nen Job... Stay tuned!
Nachdem ich einige Minuten dumm im Flur herumstand kam eine Frau mittleren Alters, um im Kopierraum einige Abzüge zu machen. Nachdem ich sie angequatscht hatte stellte sich heraus, dass es ebenjene Frau W. war, auf die ich erfolglos wartete. "Tut mir leid, ich bin in eine anderen Abteilung eingeteilt worden, aber kommen sie mal mit." - Ein einfaches Schild an der Tür hätte vielleicht nicht schaden können, aber wenigstens hatte ich Glück.
Sie nahm mich dann auch sofort mit in ihr provisorisches Büro, auf dem Weg dorthin passierten wir eine endlose Schlange von Erwerbslosen, die am Eingang des "Jobcenters" anstanden. Diesmal beschränkte sich die Warteschlange allerdings nicht auf das Treppenhaus, sondern ging bis weit auf den Vorplatz des Gebäudes am Kölner Justizzentrum hinaus. Wer ganz hinten stand durfte mit mindestens 2,5h Beine-in-den-Bauch-stehen rechnen.
Im Büro angekommen erwies sich die heutige Frau W. als überaus nett, ganz im Gegenteil zu dem alten Drachen von letzter Woche, den ich auch kurz zu Gesicht bekam. Nun hiess es einen Riesenwust von Papieren durchzugehen. Aber so wie es aussah, hatte ich alle 25 Antragsformulare richtig ausgefüllt - für irgendwas musste das Studium ja gut sein. Danach verschwand die gute Frau wiederum zum Xerox um meine Nachweise zu fotokopieren - u.a. die Kontoauszüge der letzten drei Monate: jetzt können die Beamten dort nicht nur ein Bewegungsprofil meinerseits (inkl. meiner Route durch die USA) erstellen, sondern wissen auch, was ich gerne bei Ebay ersteigere oder welcher mein Lieblingssupermarkt ist. Naja, für Paranoia ist bei einem solchen Termin kein Platz.
Ein Formular hatte ich vergessen auszufüllen, wahrscheinlich weil es nichts auszufüllen gibt. Dabei handelt es sich um die Rubrik "Vermögen". Nunja, irgendein popeliger Fontvertrag, der mehr Geld verschlingt als er einbringt musste nachgetragen werden. Ebenso mein Kfz, ich hab die Transalp mal auf 1000€ Restwert geschätzt. Was einen irritiert sind die Fragen hinter den Angaben zu Bausparvertragen und Lebensversicherungen: "wieviel Verlust würden Sie bei einer vorzeitigen Auflösung des Vetrages erleiden?" Hier wird ganz klar darauf hingewiesen, dass man erst seine sämtlichen Ressourcen aufbrauchen muss, bevor man mit auch nur einem müden Cent rechnen darf.
Zumindest in diesem Punkt hat Lafontaine recht, wenn er - wie letzten Samstag - davon spricht, dass Arbeitslose sich heute einer "würdelosen Prozedur" stellen und "ihr Vermögen und ihren Bausparvertrag verscherbeln" müssten, ehe sie staatliche Leistungen erhielten. Dabei dienen solche Versicherungen oder Verträge ja in erster Linie der Alterssicherung.
Nachdem noch hier und dort ein Stempel und eine Unterschrift nötig war, hieß es: "Vielen Dank für Ihre Kooperation und Ihre Unterlagen,Sie bekommen dann einen Bescheid mit Ihrer Anspruchsberechnung von uns." - Nach dem Stapel auf Frau W.'s Schreibtisch zu urteilen, kann das allerdings eine ganze Weile dauern. Hoffentlich hab ich bis dahin schon wieder nen Job... Stay tuned!
r0ssi - 5. Jul, 12:37
1 Kommentar - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
Dülp - 5. Jul, 15:46
Lief doch...
...erstaunlich gut. Aber hoffentlich hast du was gespart. Bei Gabi ist es sechs Wochen her seit Antragstellung und Kohle ist noch keine gekommen.







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