Der ganz reale HartzIV Selbstversuch, Teil 1
Nachdem ich ja seit geraumer Zeit wusste, dass mein Arbeitsvertrag bei einer beliebten Kölner Produktionsfirma mit ihrem noch weitaus beliebterem Chef nach dem 30.6. nicht mehr verlängert werden sollte hatte ich im Mai bereits Gelegenheit, beim Arbeitsamt bei der Arbeitsagentur zwecks Aufrechterhaltung der Ansprüche vorzusprechen. Dort wurde mir damals eröffnet, dass ich seit Ende meines Studiums noch nicht lange genug erwerbstätig war, um Anspruch auf Arbeitslosengeld zu haben.
Dies bedeutet natürlich nichts anderes als sofortiger Übergang zum Arbeitslosengeld II (ALGII), ergo Hartz IV.
Wie oft mag sich Peter Hartz des nächtens schon gedanklich in den Hintern gebissen haben, dass er als Namenspatron für eine Reform steht, die er erstens so nie vorgeschlagen hat und die zweitens von vielen Menschen als Synonym für sozialen Kahlschlag steht?
Aber hohe Poltik und hohle Blubberrunden bei Sabine Chrstiansen und deren Kolleginnen, die nichts anderes als die Zementierung des Status Quo unter dem Deckmantel einer Scheindiskussion um Ideen betreiben, nutzen dem Betroffenen erst einmal gar nichts, wenn er morgens in einer langen Schlange imSozialamt Jobcenter steht.
Den Warteraum hat man wohl auch gleich wegrationalisiert, so dass die Leute schön einer nach dem anderen im Treppenhaus auf ihr Drankommen warten durften. Der Alterdurchschnitt lag bei ca. 35-40 Jahren, viele waren mit Kind und Kegel erschienen, um ihren "Antrag auf Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhakts nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II)" zu stellen.
Nach einer knappen Stunde durfte ich dann auch mal. Frau W., eine kleine untersetzte Frau in den Fünfzigern, rief nach dem nächsten "Kunden". Kunden? Ich wusste nicht, dass ich hier etwas erwerben sollte, ganz im Gegenteil. Aber der Euphemisierung der Sprache ist, neben dem neuen Logo der Arbeit"agentur", einer der grossen Verdienste von sieben Jahren rot-grüner Arbeitsmarktpoltik.
"In der Zeit, wo sie gewartet haben, hätte sie ja schonmal ihren Ausweis und ihre Kundennummer herausholen können" wurde ich bei Betreten des Büros in moselanischem Idiom angeblafft. Wie dumm von mir, das hätte Frau W. bestimmt 5-7 Sekunden früher in die Mittagspause gebracht. Freundlich wie ich bin erklärte ich, dass es mich zu ersten mal in dieses hohe Haus der sozialen Gerechtigkeit führe. "Wie, sie haben noch kein Arbeitslosengeld bezogen?" - "Nein, ich bin Akademiker und habe noch kein ganzes Jahr gearbeitet." - Nach knapp sechs Monaten kann ich doch wohl kaum der erste Hochschulabsolvent sein, den sie abfrühstücken muss.
Ein Blick aus dem Fenster, während sie stoisch irgendwelche Daten über meine Lebenssituation in ihren 486er tippt: draussen sitzen drei Männer und genehmigen sich gerade billiges Kölsch und Korn - es ist noch nicht einmal Mittag. Tolle Aussichten für Frau W., vielleicht ist sie deswegen so gereizt.
Ihr unfreundlicher Ton bleibt bestehen, von dem ich mich aber nicht anstecken lasse - das hätte sie wohl gern. Ob ich dies und jenes Papier noch nicht hätte? Dass ich den Namen der Formulare - deren Ausfüllen mich gestern drei Stunden meines kurzen Lebens gekostet hatte - nicht sofort einzuordnen wusste, wurde von ihr wiederum mit lautem Kopfschütteln kommentiert.
Schließlich, nachdem sie stumm weiter auf ihre Tastatur eintippte, blickte sie zu mir hoch: "So, zu ihrem Sachbearbeiter kann ich sie jetzt aber nicht mehr schicken, es ist immerhin schon fast 12 Uhr. Ich gebe ihm Ihre Telefonnummer und er wird sich bei Ihnen zwecks Terminvereinbarung melden. Aber besser Sie rufen an, das geht schneller." Oha, welche Offenheit der Staatsdienerin. Trotzdem ging ich ohne ein Wort des Abschieds, man lässt sich schließlich nicht alles gefallen.
Draussen rief ich die Nummer an (eine 0180-Servicenummer) und natürlich ging niemand ans Telefon. Als ich nochmal kurz ins Jobcenter wollte, um den Herrn Sachbearbeiter persönlich um Terminabsprache zu bitten, liess man mich nicht mehr herein. Die Uhr zeigte 12:01 Uhr und gleich zwei Beamte, die wohl eigens für diese wichtige Aufgabe abkommandiert wurden, blockierten die Tür. "Sie müssen gefälligste früher kommen, wenn sie hier etwas wollen!" blaffte man mich an. Mein Einwand, ich sei schon seit Stunden drin gewesen und benötige nur eine Auskunft ließ man nicht gelten. "Kommen Sie morgen ab acht Uhr wieder." Slam! Tür zu.
Also werde ich es später nochmals telefonisch versuchen oder morgen wieder "ab acht Uhr". Erstes Fazit: es muss für den durchschnittlichen ALGII-Antragsteller (der wohl keinen Hochschulabschluss und einigermaßen gute Aussichten auf einen neuen Job hat) doppelt erniedrigend sein, nicht nur diverse Offenbarungseide abzulegen, sondern auch noch wie ein unmündiger Idiot behandelt zu werden.
Bleibt dran, es wird bestimmt noch besser.
Dies bedeutet natürlich nichts anderes als sofortiger Übergang zum Arbeitslosengeld II (ALGII), ergo Hartz IV.
Wie oft mag sich Peter Hartz des nächtens schon gedanklich in den Hintern gebissen haben, dass er als Namenspatron für eine Reform steht, die er erstens so nie vorgeschlagen hat und die zweitens von vielen Menschen als Synonym für sozialen Kahlschlag steht?
Aber hohe Poltik und hohle Blubberrunden bei Sabine Chrstiansen und deren Kolleginnen, die nichts anderes als die Zementierung des Status Quo unter dem Deckmantel einer Scheindiskussion um Ideen betreiben, nutzen dem Betroffenen erst einmal gar nichts, wenn er morgens in einer langen Schlange im
Den Warteraum hat man wohl auch gleich wegrationalisiert, so dass die Leute schön einer nach dem anderen im Treppenhaus auf ihr Drankommen warten durften. Der Alterdurchschnitt lag bei ca. 35-40 Jahren, viele waren mit Kind und Kegel erschienen, um ihren "Antrag auf Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhakts nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II)" zu stellen.
Nach einer knappen Stunde durfte ich dann auch mal. Frau W., eine kleine untersetzte Frau in den Fünfzigern, rief nach dem nächsten "Kunden". Kunden? Ich wusste nicht, dass ich hier etwas erwerben sollte, ganz im Gegenteil. Aber der Euphemisierung der Sprache ist, neben dem neuen Logo der Arbeit"agentur", einer der grossen Verdienste von sieben Jahren rot-grüner Arbeitsmarktpoltik.
"In der Zeit, wo sie gewartet haben, hätte sie ja schonmal ihren Ausweis und ihre Kundennummer herausholen können" wurde ich bei Betreten des Büros in moselanischem Idiom angeblafft. Wie dumm von mir, das hätte Frau W. bestimmt 5-7 Sekunden früher in die Mittagspause gebracht. Freundlich wie ich bin erklärte ich, dass es mich zu ersten mal in dieses hohe Haus der sozialen Gerechtigkeit führe. "Wie, sie haben noch kein Arbeitslosengeld bezogen?" - "Nein, ich bin Akademiker und habe noch kein ganzes Jahr gearbeitet." - Nach knapp sechs Monaten kann ich doch wohl kaum der erste Hochschulabsolvent sein, den sie abfrühstücken muss.
Ein Blick aus dem Fenster, während sie stoisch irgendwelche Daten über meine Lebenssituation in ihren 486er tippt: draussen sitzen drei Männer und genehmigen sich gerade billiges Kölsch und Korn - es ist noch nicht einmal Mittag. Tolle Aussichten für Frau W., vielleicht ist sie deswegen so gereizt.
Ihr unfreundlicher Ton bleibt bestehen, von dem ich mich aber nicht anstecken lasse - das hätte sie wohl gern. Ob ich dies und jenes Papier noch nicht hätte? Dass ich den Namen der Formulare - deren Ausfüllen mich gestern drei Stunden meines kurzen Lebens gekostet hatte - nicht sofort einzuordnen wusste, wurde von ihr wiederum mit lautem Kopfschütteln kommentiert.
Schließlich, nachdem sie stumm weiter auf ihre Tastatur eintippte, blickte sie zu mir hoch: "So, zu ihrem Sachbearbeiter kann ich sie jetzt aber nicht mehr schicken, es ist immerhin schon fast 12 Uhr. Ich gebe ihm Ihre Telefonnummer und er wird sich bei Ihnen zwecks Terminvereinbarung melden. Aber besser Sie rufen an, das geht schneller." Oha, welche Offenheit der Staatsdienerin. Trotzdem ging ich ohne ein Wort des Abschieds, man lässt sich schließlich nicht alles gefallen.
Draussen rief ich die Nummer an (eine 0180-Servicenummer) und natürlich ging niemand ans Telefon. Als ich nochmal kurz ins Jobcenter wollte, um den Herrn Sachbearbeiter persönlich um Terminabsprache zu bitten, liess man mich nicht mehr herein. Die Uhr zeigte 12:01 Uhr und gleich zwei Beamte, die wohl eigens für diese wichtige Aufgabe abkommandiert wurden, blockierten die Tür. "Sie müssen gefälligste früher kommen, wenn sie hier etwas wollen!" blaffte man mich an. Mein Einwand, ich sei schon seit Stunden drin gewesen und benötige nur eine Auskunft ließ man nicht gelten. "Kommen Sie morgen ab acht Uhr wieder." Slam! Tür zu.
Also werde ich es später nochmals telefonisch versuchen oder morgen wieder "ab acht Uhr". Erstes Fazit: es muss für den durchschnittlichen ALGII-Antragsteller (der wohl keinen Hochschulabschluss und einigermaßen gute Aussichten auf einen neuen Job hat) doppelt erniedrigend sein, nicht nur diverse Offenbarungseide abzulegen, sondern auch noch wie ein unmündiger Idiot behandelt zu werden.
Bleibt dran, es wird bestimmt noch besser.
r0ssi - 28. Jun, 12:57
2 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
gast - 29. Jun, 11:51
Letztens hatte ich meinen Sachbearbeiter nochmals höflichst gefragt, ober er mir nicht irgendeinen Job vermitteln könne.
Antwort: WIR SIND NICHT ZUM VERMITTELN DA, SONDERN UNSERE AUFGABE IST ES, SIE (arbeisloses Arschloch* ) ZU VERWALTEN!!!!
Auf mein Hinweis, das ich mir dann unter andererem einen 1 Euro Job suchen werde, kam die Antwort: SIE HABEN SICH ÜBERHAUPT NICHT UM EINEN 1 EURO JOB ZU KÜMMERN, DENN VERMITTELN WIR (die Agentur für Arbeit*) IHNEN, WAS BILDEN SIE SICH EIGENTLICH EIN....
* anmerkung des gastes, Rest orginalton
Das nur zu dem Thema Erniedrigung
Antwort: WIR SIND NICHT ZUM VERMITTELN DA, SONDERN UNSERE AUFGABE IST ES, SIE (arbeisloses Arschloch* ) ZU VERWALTEN!!!!
Auf mein Hinweis, das ich mir dann unter andererem einen 1 Euro Job suchen werde, kam die Antwort: SIE HABEN SICH ÜBERHAUPT NICHT UM EINEN 1 EURO JOB ZU KÜMMERN, DENN VERMITTELN WIR (die Agentur für Arbeit*) IHNEN, WAS BILDEN SIE SICH EIGENTLICH EIN....
* anmerkung des gastes, Rest orginalton
Das nur zu dem Thema Erniedrigung
r0ssi - 29. Jun, 12:11
Scheint Methode zu sein.
Ich war heute morgen nochmal kurz wegen Terminabsprache da und wurde - kaum war ich durch die Tür - mit einem "Wo wollen Sie hin?" nicht begrüsst, sondern geradezu angeblafft. Danach wurde hämisch auf ein Schild zur "Anmeldung" gezeigt, ob ich das nicht sehen würde.
Jeijeijei, die sollen sich nicht wundern, wenn die mal von nem ungeduldigeren Zeitgenossen als mir eine aufs Maul bekommen.
Jeijeijei, die sollen sich nicht wundern, wenn die mal von nem ungeduldigeren Zeitgenossen als mir eine aufs Maul bekommen.







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