Don't try this at home
Vorgestern war ich lecker einkaufen. Dabei hatte ich einen ziemlichen Hunger, da es bereits nach 18h war und ich bis kurz davor katerbedingt noch nicht in der Lage war, feste Nahrung zu mir zu nehmen. Man mag mir dies nachsehen, handelte es sich schließlich um den Tag nach Rosenmontag und wie jedes Jahr meinen ersten persönlichen post-karnevalistischen Get-Sober-Day. Dass sich eine Vielzahl der Kölner, darunter die Teilnehmer des Sülzer Veedelszuch, der direkt vor unserer Haustür vorbeizieht, nicht darum scherten, ist natürlich klar. Aber die Hauptsache ist ja, dass die Geschäfte wieder wie gewohnt offen hatten. Also erstand ich beim nördlichen Albrecht-Bruder in einem Anflug von schlechtem Gewissen wie gewohnt folgende gesunde Lebensmittel.

Wie man sieht liegt mir eine Menge an verantwortungsvoller Ernährung. Frei Nach dem Motto "Der Körper, Dein bester Freund" gab es frisches Obst und Gemüse, Körnerbrot und - naja, kommt halt auch vor - eine Packung Dosensuppe und Miracoli-Derivat für die Gummiwoche (letzte Woche des Monats, wenn das Geld knapp wird). Ganz rechts, über dem Apfel-Direktsaft liegt allerdings eine Packung des größten anzunehmenden kulinarischen Unfalls (GAKU).

Ja, richtig. Es handelt sich um ein Produkt, welches Johann Lafer die Tränen des Zorns in die Augen treibt und die Abscheu seines gesamten Berufsstandes provoziert: fertige Currywurst! Ich weiß, es kann eigentlich nichts artifizielleres unter den Convenient-Produkten eines Supermarktes geben, ausser vielleicht Pfannkuchenpulver in Mixflaschen. Currywurst, alleine das Wort steht für Pottkultur, fettige Buden vor Stahlwerken und Kreuzberg ist ohne Original-Currywurst kaum vorstellbar. Bei jedem Besuch in der Hauptstadt genehmige ich mir als erstes zwei Stück - eine mit und eine ohne Darm und schön scharf bittesehr! Schauen wir mal genauer hin:

Na wenn das nichts ist, mit stilechtem Piekser aus Holz und Curry-Gewürz, 220g Spitzenqualität aus echter Böklunder Rostbratwurst. Genau das hat mich bei Aldi herausgefordert. Immer nur gegen fertige Currywurst zu lästern ist ziemlich unglaubwürdig, wenn man nie die Probe aufs Exempel gemacht hat. Wer weiß, vielleicht steckt ja hier das Know-how aus 100 Jahren Currywursterei drin und ich habe es bislang nicht bemerkt, welch eine Freude wäre das!? Erstmal wird die Verpackung entfernt:

Der "Snack" (erinnert mich irgendwie an RaiderTwix, die Schrift) kann also im siedenden Wasserbad in 12 Minuten erhitzt oder in 2,5 Minuten in der Mikrowelle auf Temperatur gebracht werden. Da ich ja neuerdings besonders "Ungeduldig&Jähzornig" bin, wähle ich selbstverständlich die Strahlenkiste. Beides hat ja eher weniger mit einem Grill zu run, auf dem man eine Rostbratwurst für gewöhnlich zubereitet, aber das haben die Jungs bei Böklunder bestimmt in alter Alfredissimo-Manier "schon mal vorbereitet". Da wir nur einen Mikrowellenherd der ersten Generation mit lächerlichen 500 Watt besitzen, verlängere ich die Garzeit großzügig auf 5 Minuten.

Bereits nach ca. 20 Sekunden breitet sich im Umfeld der Mikrowelle ein interessanter Geruch aus. Durch die von mir mit einer Gabel fachgerecht perforierten Folie zischt das verdampfende Wasser der einzelnen Zutaten. Wie ja jedes Kind weiß, erhitzen die Strahlen des Herds direkt das Wasser im Essen, was leider auch den Nachteil hat, dass Zutaten verschiedener Dichte unterschiedlich schnell heiß werden. Oder so ähnlich, Physik ist schon etwas länger her. Naja, nach viereinhalb Minuten wird mir das Zischen und der dichte Nebel im Herd zu viel und ich beende den Garvorgang, hole die Plastikverpackung aus dem Gerät und öffne mit innerer Anspannung die Schutzfolie.

Nun, der erste optische Eindruck lässt einen das Dargebotene durchaus als eine Portion Currywurst erkennen. Eingermaßen wohlverteilt liegen die einzelnen Scheiben der Wurst in einer recht dickflüssigen Soße. Bei genauerem Hinsehen allerdings entpuppt sich die Sauce am rechten Rand als sehr zähflüssig und an der Schalenkante als bereits geronnen und leicht angeschmort. Dies kann man durchaus auf meine Verlängerung der Garzeit zurückführen. Bevor ich nun also den Geschmackstest starte, rühre ich das Gericht lange und gründlich um. Danach mache ich einen Geruchstest und rieche da: es duftet fast gar nicht und das, was man riecht ist heißer Tomatenketchup aber keinerlei Curry-Aroma. Na klar, denkt sich nun der aufmerksame Leser, da ist ja auch noch nicht das "Curry-Gewürz" drauf. Stimmt. Also drauf damit und zum Vergleich direkt einmal die Verpackung mit dem Serviervorschlag dazugelegt.

Von der Optik her weist das Angerichtete durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit dem designten Food auf. Der Geruchswert des Currypulvers ist allerdings eher im unteren Bereich anzusiedeln. Folgt also nun, abschließend, die Geschmacksprobe. Stilecht im Stehen verspeise ich nun in einem Rutsch die gesamte Schale Currywurst. Erster und leider auch bleibender Eindruck ist die Konsistenz der Wurstscheiben. Leider ist überhaupt keine Spur eines Bratvorgangs festzustellen. Sollte es ihn je gegeben haben ist er durch die Strahlenkanone und den daraus resultierenden Kochvorgang perdu gegangen. Ich habe nicht unbedingt das Gefühl auf Kautschuk zu kauen, aber eine gewisse Widerspenstigkeit macht sich zwischen meinen Kauleisten breit. Dazu kommt der eigentliche Geschmack durch die Soße, der sich leider nur entfernt als curry-esque beschreiben lässt. Von Pikanterie, geschweige denn Schärfe, fehlt hier leider jede Spur, selbst das Currypulver verweigert jegliche Würzkooperation. Dafür schmecke ich künstliches Tomatenaroma und in meinem Kopf spuken eine Menge E's mit Nummern dahinter herum. Tapfer und im Auftrag der Wahrheit ziehe ich den Test aber selbstverständlich bis zum tomatigen Ende durch. Fertig.
Fazit: Ich werde hier gar nicht erst um den heißen Currybrei herumreden. Die Fertigcurrywurst entspricht genau ebenjener imaginären Wurst, die mich bereits seit Jahren beim Vorbeigang am Regal innerlich hat schaudern lassen. Optisch noch einigermaßen um den Eindruck der Echtheit bemüht zeigt sie sich im Abgang als artifizielles Monster, das jeder Beschreibung spottet und dem ich Soylent Grün vorziehen würde. Interessieren würden mich auch die Produktionsbedigungen, musste ich beim verspeisen doch intuitiv an die Essensfabrik des Tricatel in "Brust oder Keule" denken. Doch auch in Zukunft werde ich weiter in loser Folge die Niederträchtigkeiten deutscher Supermarktprodukte ausprobieren. It's a dirty job but someone's gotta do it. Euer Rossi Duchemin.

Wie man sieht liegt mir eine Menge an verantwortungsvoller Ernährung. Frei Nach dem Motto "Der Körper, Dein bester Freund" gab es frisches Obst und Gemüse, Körnerbrot und - naja, kommt halt auch vor - eine Packung Dosensuppe und Miracoli-Derivat für die Gummiwoche (letzte Woche des Monats, wenn das Geld knapp wird). Ganz rechts, über dem Apfel-Direktsaft liegt allerdings eine Packung des größten anzunehmenden kulinarischen Unfalls (GAKU).

Ja, richtig. Es handelt sich um ein Produkt, welches Johann Lafer die Tränen des Zorns in die Augen treibt und die Abscheu seines gesamten Berufsstandes provoziert: fertige Currywurst! Ich weiß, es kann eigentlich nichts artifizielleres unter den Convenient-Produkten eines Supermarktes geben, ausser vielleicht Pfannkuchenpulver in Mixflaschen. Currywurst, alleine das Wort steht für Pottkultur, fettige Buden vor Stahlwerken und Kreuzberg ist ohne Original-Currywurst kaum vorstellbar. Bei jedem Besuch in der Hauptstadt genehmige ich mir als erstes zwei Stück - eine mit und eine ohne Darm und schön scharf bittesehr! Schauen wir mal genauer hin:

Na wenn das nichts ist, mit stilechtem Piekser aus Holz und Curry-Gewürz, 220g Spitzenqualität aus echter Böklunder Rostbratwurst. Genau das hat mich bei Aldi herausgefordert. Immer nur gegen fertige Currywurst zu lästern ist ziemlich unglaubwürdig, wenn man nie die Probe aufs Exempel gemacht hat. Wer weiß, vielleicht steckt ja hier das Know-how aus 100 Jahren Currywursterei drin und ich habe es bislang nicht bemerkt, welch eine Freude wäre das!? Erstmal wird die Verpackung entfernt:

Der "Snack" (erinnert mich irgendwie an RaiderTwix, die Schrift) kann also im siedenden Wasserbad in 12 Minuten erhitzt oder in 2,5 Minuten in der Mikrowelle auf Temperatur gebracht werden. Da ich ja neuerdings besonders "Ungeduldig&Jähzornig" bin, wähle ich selbstverständlich die Strahlenkiste. Beides hat ja eher weniger mit einem Grill zu run, auf dem man eine Rostbratwurst für gewöhnlich zubereitet, aber das haben die Jungs bei Böklunder bestimmt in alter Alfredissimo-Manier "schon mal vorbereitet". Da wir nur einen Mikrowellenherd der ersten Generation mit lächerlichen 500 Watt besitzen, verlängere ich die Garzeit großzügig auf 5 Minuten.

Bereits nach ca. 20 Sekunden breitet sich im Umfeld der Mikrowelle ein interessanter Geruch aus. Durch die von mir mit einer Gabel fachgerecht perforierten Folie zischt das verdampfende Wasser der einzelnen Zutaten. Wie ja jedes Kind weiß, erhitzen die Strahlen des Herds direkt das Wasser im Essen, was leider auch den Nachteil hat, dass Zutaten verschiedener Dichte unterschiedlich schnell heiß werden. Oder so ähnlich, Physik ist schon etwas länger her. Naja, nach viereinhalb Minuten wird mir das Zischen und der dichte Nebel im Herd zu viel und ich beende den Garvorgang, hole die Plastikverpackung aus dem Gerät und öffne mit innerer Anspannung die Schutzfolie.

Nun, der erste optische Eindruck lässt einen das Dargebotene durchaus als eine Portion Currywurst erkennen. Eingermaßen wohlverteilt liegen die einzelnen Scheiben der Wurst in einer recht dickflüssigen Soße. Bei genauerem Hinsehen allerdings entpuppt sich die Sauce am rechten Rand als sehr zähflüssig und an der Schalenkante als bereits geronnen und leicht angeschmort. Dies kann man durchaus auf meine Verlängerung der Garzeit zurückführen. Bevor ich nun also den Geschmackstest starte, rühre ich das Gericht lange und gründlich um. Danach mache ich einen Geruchstest und rieche da: es duftet fast gar nicht und das, was man riecht ist heißer Tomatenketchup aber keinerlei Curry-Aroma. Na klar, denkt sich nun der aufmerksame Leser, da ist ja auch noch nicht das "Curry-Gewürz" drauf. Stimmt. Also drauf damit und zum Vergleich direkt einmal die Verpackung mit dem Serviervorschlag dazugelegt.

Von der Optik her weist das Angerichtete durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit dem designten Food auf. Der Geruchswert des Currypulvers ist allerdings eher im unteren Bereich anzusiedeln. Folgt also nun, abschließend, die Geschmacksprobe. Stilecht im Stehen verspeise ich nun in einem Rutsch die gesamte Schale Currywurst. Erster und leider auch bleibender Eindruck ist die Konsistenz der Wurstscheiben. Leider ist überhaupt keine Spur eines Bratvorgangs festzustellen. Sollte es ihn je gegeben haben ist er durch die Strahlenkanone und den daraus resultierenden Kochvorgang perdu gegangen. Ich habe nicht unbedingt das Gefühl auf Kautschuk zu kauen, aber eine gewisse Widerspenstigkeit macht sich zwischen meinen Kauleisten breit. Dazu kommt der eigentliche Geschmack durch die Soße, der sich leider nur entfernt als curry-esque beschreiben lässt. Von Pikanterie, geschweige denn Schärfe, fehlt hier leider jede Spur, selbst das Currypulver verweigert jegliche Würzkooperation. Dafür schmecke ich künstliches Tomatenaroma und in meinem Kopf spuken eine Menge E's mit Nummern dahinter herum. Tapfer und im Auftrag der Wahrheit ziehe ich den Test aber selbstverständlich bis zum tomatigen Ende durch. Fertig.
Fazit: Ich werde hier gar nicht erst um den heißen Currybrei herumreden. Die Fertigcurrywurst entspricht genau ebenjener imaginären Wurst, die mich bereits seit Jahren beim Vorbeigang am Regal innerlich hat schaudern lassen. Optisch noch einigermaßen um den Eindruck der Echtheit bemüht zeigt sie sich im Abgang als artifizielles Monster, das jeder Beschreibung spottet und dem ich Soylent Grün vorziehen würde. Interessieren würden mich auch die Produktionsbedigungen, musste ich beim verspeisen doch intuitiv an die Essensfabrik des Tricatel in "Brust oder Keule" denken. Doch auch in Zukunft werde ich weiter in loser Folge die Niederträchtigkeiten deutscher Supermarktprodukte ausprobieren. It's a dirty job but someone's gotta do it. Euer Rossi Duchemin.
r0ssi - 2. Mrz, 20:21
11 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
glamourdick - 3. Mrz, 08:51
curry rules
ich erwarte sehnsuchtsvoll ihren bericht über die curry hackbällchen, die es in den filialen von kaiser´s´gibt.
r0ssi - 3. Mrz, 17:15
ich überlege, ob ich hier nicht über das objekt meiner nächste probeaktion abstimmen lassen soll. es gibt noch so viele schweinereien.
stoertebeker - 3. Mrz, 10:25
Hey rOssi! Hoffe es hat geschmeckt!
Ich möchte Dir nicht post-prandial den Appetit verderben, allerdings konnte ich hier in der Blogosphäre beim Don Dahlmann die andere Seite des Currywurst-Genusses verfolgen. Und ich weiss ja nicht, aber rein optisch sieht das in der aufgerissenen Packung sehr nach Viruserkrankung aus.
Ich möchte Dir nicht post-prandial den Appetit verderben, allerdings konnte ich hier in der Blogosphäre beim Don Dahlmann die andere Seite des Currywurst-Genusses verfolgen. Und ich weiss ja nicht, aber rein optisch sieht das in der aufgerissenen Packung sehr nach Viruserkrankung aus.
r0ssi - 3. Mrz, 17:16
der link sieht leider nur aus wie einer. ich bin als berliner im herzen ja grundsätzlich auch ein großer currywurst-fan, deswegen war es ja auch so schlimm diese pampe essen zu müssen, you know.
stoertebeker - 3. Mrz, 17:48
so was Blödes... das hat das letzte Mal schon nicht geklappt, dabei habe ich alles richtig angegeben mit href und Anführungszeichen und allem Pi-Pa-Po ...
hoerk (anonym) - 3. Mrz, 11:04
Die beste Currywurst...
...gibt es natürlich in Indien!
Ist ja bekanntlich das Mutterland des Curry...
Aber Scherz bei Seite, teste doch nächstes mal diesen Grünkohl mit Wurst den es in ähnlicher Verpackung gibt.
Ich hab mich das noch nicht getraut! Meine Gourmet-Seele ist zu labil...
Ist ja bekanntlich das Mutterland des Curry...
Aber Scherz bei Seite, teste doch nächstes mal diesen Grünkohl mit Wurst den es in ähnlicher Verpackung gibt.
Ich hab mich das noch nicht getraut! Meine Gourmet-Seele ist zu labil...
r0ssi - 3. Mrz, 17:17
Entschuldige, aber wer von uns beiden fürhstückt grundätzlich alles mit senf??? erzähl mir nix von zarter gourmet-seele
mcwinkel - 3. Mrz, 12:15
Vielen Dank dafür! Ich habe ja immer überlegt, soll man, soll man nicht... Jetzt lass´ ich´s!
r0ssi - 3. Mrz, 17:18
besser is das. aber an labskaus würd ich mich wohl auch nicht rantrauen. (ich unterstelle mal einfach so, dass alle nordlichter das essen)
nilz (anonym) - 5. Mrz, 22:19
vielleicht liegst an meinem enormen kater, aber mir ist ein bischen das wasser im munde zusammengelaufen.ich habe lange nicht mehr so gelacht wie be diesem test....gottes sohn, ich habs ja gesagt!
r0ssi - 6. Mrz, 12:07
currywurst ist natürlich ein spitzen katerfrühstück. aber wenn, dann sollte man doch lieber zum wurstmann seines vertrauens gehen, glaub mir!







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