Mittwoch, 25. Januar 2006

Case scenarios for the new arrivals

Willkommen, Jonas, junger Mensch! Wo bist Du denn vorgestern hier gelandet? Das fragst Du Dich nicht nur selbst, sondern auch viele, die schon ein paar Tage älter sind als Du. Wenn wir hoffentlich in drei Jahrzehnten zusammen feiern - Du Deinen 30. und ich meinen 60. Geburtstag - können wir ja mal schauen, was die Welt bis dahin für ein Ort sein wird. Auch wenn man das kaum vorhersehen kann, werde ich mal zwei grundsätzliche Prognosen wagen:

1. Worst-Case-Scenario:
Wir feiern unsere gemeinsamen Geburtstage an der libyschen Nordküste in einigermaßen angenehmen Klima. 6°C sind ein vernünftiger Wert für Ende Januar in Nordafrika, Europa liegt zu dieser Zeit unter dickem Schelfeis, wie der Großteils des Kontinents auch den Rest des Jahres. Die EU hat mit Unterstützung der assoziierten USA und den wiederauferstandenen, neo-faschistischen UdSSR frühzeitig die nordafrikanischen Staaten erobert und seine Ansprüche auf die Territorien mit verbesserter Infrastrukturhilfe begründet. Der so genannte Krieg gegen den Terror wurde damit auf Gebietskriege in Zentralafrika kanalisiert, insbesondere nachdem die USA den gesamten Mittleren Osten eingenommen hatten. Der Klimawandel, der von regimetreuen Wissenschaftlern inzwischen als geologisch und nicht menschengemacht entlarvt wurde hat große Teile des äußersten Nordens unbewohnbar gemacht. Der Golfstrom ist nur noch ein Rinnsaal, welches den Ärmelkanal zu einer 1a-Eislauffläche gemacht hat und Skandinavien unter kilometer hohen Gletschern begraben hat, ebenso wie Kanada und Sibirien. Gefahr droht insbesondere aus Südamerika, welches sich zu Beginn des 21. Jh in ein sozialistisches Kollektiv gewandelt hat und aufgrund seiner von Klimakatstrophen einigermaßen verschont gebliebenen Wirtschaft inzwischen Supermacht geworden ist. Der Zusammenbruch der japanischen und nordeuropäischen Wirtschaft und Börse hat die dortigen Flüchtlinge empfänglich für die neo-sozialitische Doktrin gemacht. Der letzte drei-Fronten-Krieg hat die US-UdSSR-Europäischen (UUE) Truppen stark geschwächt. UUE-Aussenministerin Britney Spears hat bislang noch kein Szenario zur Rückgelangung der Doninanz entwickelt.

2. Best-Case-Scenario
Zwei Jahre nach Deiner Geburt hat eine UN-Konferenz endlich unter der Führung aller Staaten anerkannt, dass sich die Menschheit auf einem Jahrtausende alten Irrweg befindet. In einer globalen Allianz wurde mittlerweile konstatiert, dass Ideologien und Religionen in die Irre führen und menschengemachte Probleme das Überleben Aller gefährden. Danach begann endlich das Umdenken, eine weltweite Abrüstung, gepaart mit der sofortigen Einstellung aller kriegerischen Auseinandersetzungen. Der Umwelt wurde absolute Priorität eingeräumt, ebenso wie der Aufhebung aller politischen und wirtschaftlichen Unterschiede. Innerhalb von 15 Jahren konnten sich die Staaten Afrikas und die sich deren Vorbild anschließenden Staaten des mittleren Ostens an das Prosperitätsprogramm der UN anschließen und davon profitieren. Börsen und Wirtschaftsliberalismus sind schmutzige Geschichte. Die UN ist inzwischen die sprichwörtliche Weltregierung und ist die wirklich wahre, gut funkionierende supranationale Organisation. Nicht nur die EU, sondern auch die USA und China haben ihre Kompetenzen und die letzten strategischen Waffen den Vereinten Nationen übergeben, die die inzwischen allgemein anerkannte und letzte überlebende Exekutive ist. Nur so konnten sich die früher so genannten Schurkenstatten ebenfalls von ihren Ansprüchen lossagen und die Welt selbst das Klimaproblem noch einigermaßen in den Griff bekommen. Wir feiern nun - im Januar 2036 - in normalem Klima, bei 14°C in Hamburg, Middlenorthern Europe. Cheerio!

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kirjoittaessani - 25. Jan, 01:34

Irgendwo dazwischen werden wir schon landen. Aber mal ehrlich: Nummer Eins kommt mir nicht ganz so unrealistisch vor wie das zweite Szenario.

Dülp - 26. Jan, 22:43

Ich tippe...

..auf Alternative a), hundert Jahre später gefolgt von Alternative b). Bevor wir uns nicht schwer in die Scheiße reiten, wird sich eh nix ändern. Ganz davon abgesehen, dass alles, was wir ökologisch gesehen jetzt besser machen als zur Zeit, erst in 30 Jahren eine Auswirkung zeigt (wenn's gut läuft).

Und wenn wir die CO2-Ausstöße verringern haben wir noch jede Menge Spaß, sobald die Staubpartikel sich abgesenkt haben und nicht mehr die Sonneneinstrahlung reduzieren.

Aber wie sagt der Kölner: Et ess noch emmer joot jejange. Willkommen Jonas!

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