Da laust mich der Affe

Eben hab ich "King Kong" im Kino gesehen. Jetzt könnte ich über den Film erzählen. Zum Beispiel über die tollen Spezialeffekte, die ein glaubwürdiges New York der dreißiger Jahre darstellen und zeigen, dass die Animationstechnik inzwischen vollends den Unterschied zwischen realen und computergenerierten Sequenzen negiert. Dass Peter Jackson bei einigen Szenen allerdings nicht verwendete Viecher aus "Herr der Ringe" untergebracht hat, ist bloße Spekulation meinerseits, würde mich aber auch nicht wundern. Aber wenns passt, wäre mir das auch egal.

Natürlich könnte ich jetzt auch metaphysisch an den Film rangehen und auf den Konflikt zwischen archaischer Wildheit und humanistischen Werten, zwischen dem Biest und dem sanften, mitfühlenden Wesen, eingehen - personifiziert in Kong. Beziehungsweise auf den Antagonismus zwischen den brutalen Urprüngen der Menschheit und der hochtechnologischen Zivilisation des frühen 20. Jahrhunderts hinweisen, in dem der Himmel die Grenze war. Stellvertretend hierfür steht die Verfrachtung des Affen nach New York. Der Aufstieg Kongs auf das Empire State Building stellt den verzweifelten und - aus Sicht der Fortschrittsgläubigen - zum Scheitern verurteilten Versuch dar, die Natur über die Zivilisation zu erheben. Kongs Absturz zeigt nicht nur die Entfremdung des modernen Menschen von seinen Wurzeln sondern auch die Arroganz des Nichtverstehenwollens.

Ein dritter Aspekt könnte die Beziehung zwischen dem Biest und der Schönen ausleuchten. Die weiße Frau, in ihrer fast madonnenhaften Reinheit, ist einzig im Stande, das blutrünstige Monster seine edlen Seiten entdecken zu lassen. Die zwiespältige Persönlichkeit des Affen, hin- und hergerissen zwischen tierischen und menschlichen Verhaltensmustern, bricht sich am Deutlichsten im Umgang mit dem Objekt seiner Begierde, die in Jacksons Verfilmung weniger triebhaft dargestellt wird als im Original. Die Frau wiederum verkörpert den Rest an Ethik und "Humanität" der wilden Kreatur gegenüber, die dem Zuschauer in gewisser Weise Absolution erteilen kann, sich nicht stellvertretend für die Behandlungsweise des Affen schuldig fühlen zu müssen.

Aber im Ernst: sowas überlasse ich doch lieber dem Feuilleton, die können solche Sachen auch besser an den Haaren herbeiziehen. Was ich vor allem bemerkenswert finde ist, dass die verdammte Kinokarte 10€ gekostet hat. Was sind denn das für Preise inzwischen? Unverschämtheit!

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