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Freitag, 23. September 2005

Büdchen-Kultur

Zu den Vorteilen Kölns und der Städte im Westen der Rupublik gehört die gute Abdeckung mit kleinen Läden des täglichen Bedarfs. Diese nennt man in der Regel Kiosk, in Köln auch gerne Büdchen. Das Wort Kiosk stammt nicht zufällig aus dem Türkischen, sind die Betreiber der Rundum-Versorger doch auch meinstens türkischer Herkunft. Was den New Yorkern ihre Delis sind ist dem Rheinländer oder Ruhrpottler sein Kiosk, wobei Köln die mit Abstand größte Dichte pro Quadratkilometer hat. Wenn ich vor der Haustür stehe habe ich im Umkreis von 500m nicht weniger sieben Büdchen zur Auswahl, die mir ihre Dienste anbieten.

Die Dienstleistungsmentalität ihrer Betreiber kann dabei nicht hoch genug eingeschätzt werden. Unter der Woche versorgen einen zwei bis 3h morgens, am Wochenende ist bis mindestens 4h geöffnet. Zeit genug also, um seine leeren Biervorräte aufzufüllen, Nikotinschmacht zu befriedigen oder auch eine Dose Ravioli zu erstehen. Dabei ist mein Stammkiosk bei weitem nicht der Beste, er ist aber derjenige, der nur 30m entfernt ist. Der Laden wird in Wechselschicht von drei Männern bedient, die unterschiedliche Auffassungen haben. Der Alte zum Beispiel ist der Meining, dass Duschen Teufelswerk sind und verströmt immer einen Odeur, dass man respektvollen Abstand zur Theke einhält. Dafür hilft er beim Einsortieren des Leerguts (was den Abstand auf gefährliche Distanz reduziert) und hat die günstigsten Bierpreise.

Es ist nämlich keinesfalls so, als gäbe es feste Preise. Ja nach Bedienung, Luftdruck oder sontigen unwägbaren Einflußfaktoren kann für eine Flasche Beck's durchaus zwischen 1,00 und 1,30€ bezahlt werden, wobei ich letzteren Preis bislang immer erfolgreich heruntergehandelt habe. Eine weitere Bedienung ist des Deutschen leider überhaupt nicht mächtig, erspart einem damit aber auch lästigen Small-Talk. Den drängen einem grundsätzlich die kölschen Büdchenbetreiber auf. Ob es der FC (zwar nit minge Verein, aber der Anbetung des Heiligen Lukas kann sich hier keiner entziehen), das Wetter (guck halt aus dem Fenster) oder die Darmoperation des Schwippschwagers ist - kein Thema wäre zu banal, als dass es sich nicht für einen Plausch eignen würde. Und da der Kölner an sich ja ein lustiger Geselle ist, ist das auch okay so. Dass man eventuell gerade die U-Bahn erwischen muss, ist dann Nebensache.

Sollte es mich mich je nach Hamburg oder Kiel verschlagen, was grundsätzlich gut möglich wäre, würde ich schwer daran zu knabbern haben, die Vollendung der Kundenfreundlichkeit seitens der Helden des Büdchen nicht mehr in Anspruch nehmen zu können.

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Kalle (Gast) - 26. Apr, 15:04

kölsche Kioskkultur

Ja, Büdchen sind was tolles!! Und gehören zu Köln wie der Dom. Ich wollte dir und deinen lesern meinen weblog empfehlen:
Kalles Kiosk
grüße aus kölle

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