Zu den für meine Umwelt unhörbarsten Platten gehört mit Abstand vor allem ein Werk aus dem Jahre 1989. Es stammt von der spanischen Formation "
Esplendor Geométrico" und ist schlicht mit "Nador" betitelt. Den Stil der Scheibe kann man getrost als Mininmal-Industrial bezeichnen. Leute, die nicht ganz so schubladig denken würden eventuell auch "Krach an der Grenze des Aushaltbaren" dazu sagen. Geh ich auch konform mit. Was passierte also damals? In den späteren 80er Jahren wurden Sampler, allen voran der Akai, endlich für Mucker erschwinglich, was sich sofort auf alle Musikbereiche niederschlug, sei es Rap, Pop oder Acid, damals schwer angesagt, aus dem später House usw. werden sollte. Das Geniestück lieferten damals M.A.R.R.S. mit "
Pump up the Volume" ab (
Hörprobe), einer Sample-Orgie wie vom anderen Stern, bei der ich bis heute jeden Schnipsel auswendig kenne und tanzbar as fuck.
Parallel zur House und Acid-Bewegung enstand - eigentlich schon etwas früher - EBM, Electronic Body Music - insbesondere in Belgien mit den Hauptprotagonisten
Klinik und "
Front 242" und in Kanada mit "
Skinny Puppy" und "
Front Line Assembly", die Abgrenzung zu Industrial, hervorgegangen aus Bands wie "
Throbbing Gristle" und "
Psychic TV" fällt nicht immer leicht und soll jetzt auch egal sein.

"Nador", erschienen auf dem belgischen Minilabel "Daft" bediente sich ebenfalls des Samplers, nur dass man statt den bekannten "Public Enemy" und "Eric B."-Versatzstücken ("Pump up the Volume", "Put the needle on the record", "Bass, how low can you go?") eher im Stile der "
Einstürzenden Neubauten" auf wirklich industrielle Sounds setzte. Wie muss der unkundige Laie sich nun ein Stück von "Esplendor Geométrico" vorstellen? Da nehme man zum Beispiel einen Bauarbeiter, der äußerst rhythmisch mit seinem Presslufthammer zu Gange ist, das dumpfe Wummern eines Dieselgenerators und stecke die Sounds in einen Dubfilter. So hat man eigentlich schon das ganze Lied. Perkussiv wie nix Gutes und monoton wie die Sprechweise von
Professor Hastig. Um die Leute nicht vollkommen abgleiten zu lassen werden ab und an Sounds eingestreut, etwas das Geräusch einer Zinkwanne, die über schroffe Emaille gleitet oder atmosphärisches Rauschen, moduliert bis an die Grenzen des Erträglichen. Das Album mit so schönen Tracktiteln wie "Dinamo 3", "
Belew 2", "
Attar" oder "
Bismi Ilâh" (Links sind Hörproben) kommt bis auf ein Sample vollkommen die ohne menschlische Stimme aus. Auch Synthies werden nur äußerst begrenzt eingesetzt.
Schön und gut aber was soll das? Gute Frage. Ich kenne ehrlich gesagt nicht viele Menschen, die mit der Musik auch nur für 5 Cent was anfangen können. Aber das ist nicht schlimm und verständlich, setzt sie auf jeden Fall ein an Industrial gewöhntes Ohr voraus. Dann aber ergibt der Krach und die Monotonie Sinn und man zu den Noise-Orgien entweder super tanzen oder gar entspannen. Für alle anderen gilt wohl eher der Spruch, den jemand vor mehr als 10 Jahren sagte, als ich die CD auflegte: "Sachma Alter, ich glaub deine Anlage ist im Arsch."